Achilleus


Achilleus
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Sohn des Peleus* und der Meergöttin Thetis*, der größte Held der Griechen im Kampf um Troja.
Achills Jugend: Thetis wollte, was väterlicherseits an ihrem Sohn sterblich war, beseitigen, indem sie ihn nachts ins Feuer legte und am Tage mit der Götternahrung Ambrosia salbte. Als Peleus ihr nachspionierte und den Kleinen in den Flammen zappeln sah, schrie er laut und vereitelte so den Plan der Mutter, die enttäuscht ins Meer zurückkehrte. Peleus übergab das Kind dem Kentauren* Chiron*, der es mit Löwenlebern und Bärenmark nährte und Achilleus nannte. Ursprünglich hieß der Junge Ligyron. Als er neun Jahre alt war, verkündete der Seher Kalchas*, ohne seine Mithilfe könne Troja nicht erobert werden. Thetis aber, die wußte, daß Achilleus diesen Krieg nicht überleben werde, brachte ihn in Mädchenkleidern auf die Insel Skyros und versteckte ihn unter den Töchtern des Königs Lykomedes*. In eine von ihnen, Deidameia*, verliebte er sich, und sie gebar ihm Pyrrhos, der später Neoptolemos* genannt wurde. Odysseus*, dem das Versteck des jungen Helden verraten worden war, entdeckte ihn dadurch, daß er den Mädchen seine Gastgeschenke – schöne Kleider und Schmuck, aber auch Rüstung und Waffen – zeigte und plötzlich die Kriegstrompete blasen ließ, worauf Achill sofort nach
den Waffen griff (Apollodor, Bibliothek III 171–174, nach älteren, uns verlorenen Quellen). Daß Thetis ihren Sohn an der Ferse in die Styx* gehalten habe, um ihn gegen Hieb und Stich zu feien, und daß dabei ebendiese Ferse verwundbar geblieben war, lesen wir erst in der ›Achilleis‹ des Papinius Statius (I 269). Von einem Feldzug gegen die Stadt des Königs Telephos*, Theuthrania, die die Griechen irrtümlich für Troja hielten, und gegen Skyros, dazu von einer Werbung des Achilleus um die schöne Helena* wurde in heute verlorenen älteren Epen berichtet. Die Ilias weiß aber weder davon noch von der Mädchenverkleidung; nach ihrem Bericht holen Odysseus* und Nestor* den Helden bei seinem Vater ab, der ihm rät, »immer der Beste zu sein und hervorzuragen vor allen« (Ilias XI 784). Später erfährt Achilleus von seiner Mutter, daß er sich durch seine Teilnahme am Krieg für hohen Ruhm und gegen ein langes Leben entscheide (Ilias IX 410–416).
Vierzig Tage vor Troja: Im ersten Vers der ›Ilias‹ wird als ihr Thema der Zorn des Achilleus genannt. Dieser entzündet sich am Fehlverhalten des Oberbefehlshabers Agamemnon*, der sich zunächst sträubt, eine schöne Gefangene, Chryseis*, ihrem Vater zurückzugeben. Darauf wendet sich dieser, ein Priester Apollons**, an seinen Gott um Hilfe, und dieser straft die Griechen durch eine Pest. Nun muß Agamemnon
nachgeben, doch sucht er sich schadlos zu halten, indem er Achilleus dessen Mädchen Briseis* entführt. Der Held fügt sich widerwillig und verweigert weitere Teilnahme am Kampf. Seine Mutter Thetis aber bittet Zeus*, die Trojaner so lange siegen zu lassen, bis das ihrem Sohn widerfahrene Unrecht gesühnt sei. Tatsächlich geraten die Griechen nun in große Bedrängnis und wenden sich hilfesuchend an Achilleus, der jedoch erst einlenkt, als Hektor* Feuer in die griechischen Schiffe wirft. Achill gibt seinem Freund Patroklos* die eigene Rüstung und läßt ihn am Kampf teilnehmen. Zunächst fliehen die Trojaner vor ihm in Panik, dann aber stellt sich ihm Hektor entgegen, erschlägt ihn und raubt ihm die Rüstung. Achilleus söhnt sich daraufhin mit Agamemnon aus, der ihm Briseis zurückgibt, und stürzt sich, kaum daß ihm seine göttliche Mutter von Hephaistos* neue Waffen hat schmieden lassen, voll maßloser Wut ins Gefecht. Er metzelt so viele Trojaner nieder, daß ihre Leichen den Fluß Skamandros* stauen. Dessen Gott sucht in gerechter Empörung den Rasenden zu ertränken, wird aber von Hephaistos* daran gehindert. Nicht einmal Hektor vermag dem Achilleus standzuhalten: Dreimal läßt er sich von ihm um Trojas Mauerring jagen, bis ihm Athene* in der Gestalt seines Bruders Deiphobos* Mut macht – zu seinem Verderben! Achill tötet Hektor, der ihm sterbend sein eigenes Ende prophe-
zeit, und schleift die Leiche an einem Wagen fort, um sie den Hunden zum Fraß vorzuwerfen. Doch als Priamos*, Hektors Vater, mit göttlicher Hilfe zu ihm ins Lager kommt, läßt er sich umstimmen und gibt den Toten heraus. Damit endet die ›Ilias‹, deren Handlung sich auf vierzig Tage des zehnten Kriegsjahrs beschränkt (Ilias I–XXIV).
Achills Tod: Mit Hektors Fall ist Trojas Untergang noch nicht besiegelt: Noch findet die Stadt Verbündete – aber sowohl die Amazonenkönigin Penthesileia* wie der Äthiopier Memnon* erliegen dem Achilleus, ehe diesen der von Apollon* gelenkte Pfeil des Paris* trifft (Apollodor, Bibliothek VIII 1–2). In der Unterwelt darf der große Held wie ein König über die Toten herrschen, doch wäre er lieber der Akkerknecht eines Hungerleiders und dafür lebendig (Odyssee XI 489–491). Nach der Eroberung Trojas zeigt sich sein Schatten am Grabhügel und fordert die Opferung der Polyxena*, der jüngsten Tochter des Priamos (Euripides, Hekabe; Ovid, Metamorphosen XIII 441–532). Während Ovid die unversöhnliche Rachsucht des Toten betont, wird er von anderen auf die Inseln der Seligen versetzt und dort mit Polyxena, Helena oder gar mit Medeia* vereint.
Nachleben: In Konkurrenz mit der unvergleichlichen ›Ilias‹ Achills Taten zu schildern, wagten nur wenige große Dichter. Bemerkenswerterweise blieb sowohl
die ›Achilleis‹ des Römers Statius (um 95 n. Chr.) unvollendet wie Goethes gleichnamiges Epos (1799), das den Helden im Bann seines unmittelbar bevorstehenden Endes zeigt. Die Liebe zu Polyxena läßt ihn das Verhängnis vergessen, das ihn bei der Hochzeit(!) ereilt. Kleists Versdrama ›Penthesilea‹ (1808) mit seinen krassen Gegensätzen zwischen Zärtlichkeit und wilden Ausbrüchen, in dem die Haßliebe der Amazone Achill und ihr den Tod bringt, wurde von Goethe heftig abgelehnt und kommt nur selten auf die Bühne. Kleinere Geister scheiterten vollends an dem übermächtigen Helden, z.B. Thomas Corneille, der Bruder des berühmten Pierre, mit seinem Drama ›Achille‹ (1673). Oper und Operette nahmen sich besonders der Ereignisse auf Skyros an, z.B. Georg Friedrich Händels ›Deidamia‹ (1739). Auch in der Malerei erfreuten sich Szenen aus Achills Kindheit und Jugend besonderer Beliebtheit, vor allem die Erziehung durch Chiron (bereits als Wandgemälde aus Pompeji bekannt) und der Aufenthalt unter den Töchtern des Lykomedes (z.B. von Peter Paul Rubens, um 1620, Prado, Madrid). Berühmt sind ein Vasenbild des Exekias ›Achill beim Brettspiel mit Aias‹ (um 530 v. Chr., Rom, Vatikanische Museen) und eine Metope aus Selinunt ›Achill tötet Penthesileia‹ (5. Jahrhundert v. Chr., Palermo, Museo Archeologico Nazionale). Die gleiche Szene findet sich auf einer attischen Schale
aus Vulci (um 460 v. Chr., München, Antikensammlungen): Die Amazonenkönigin ist vor Achilleus niedergesunken und blickt voll Vertrauen und Liebe zu ihm auf; er aber stößt ihr das Schwert in die Brust.

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.

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